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Advent Horizon: Falling Together (Review)

Artist:

Advent Horizon

Advent Horizon: Falling Together
Album:

Falling Together

Medium: LP/Download/CD
Stil:

Progressive- und Art-Rock, Metal

Label: AH Music/Just For Kicks
Spieldauer: 47:18
Erschienen: 15.05.2026
Website: [Link]

Dann lasst uns getreu des Albumtitels gemeinsam mit dem amerikanischen Prog-Rock-Quintett ADVENT HORIZON untergehen. Doch bei all den breit ausgeprägten, komplex-progressiven Spielarten zwischen metallischen Breitseiten und Retro- plus Artrock-Ausflügen sowie richtig gutem männlichen und weiblichen Gesang, inklusive eines extrem hochwertigen Klangbildes, ist aus musikalischer Sicht weit und breit nicht an einen Untergang zu denken.

Oh nein! Nichts mit Untergang! Dieses „Falling Together“ ist großartig gelungen und setzt sogar ihrem wirklich guten 2023er-Album „A Cell To Call Home“ noch eine Schippe in puncto Härte und Prog-Wechselseitigkeit sowie modernen Einfallsreichtums drauf.


Es ist natürlich mal wieder das bedrückende Thema – diesmal der völligen Entfremdung (nachdem es im Vorgänger um das Thema Sucht und schwere Abhängigkeiten ging) – hinter dem Konzept von „Falling Together“, welches den Untergang heraufbeschwört und sich der hohen musikalischen Qualität mit einer ebenso hohen poetischen Ausstrahlung anpasst.
Hierzu stellt die singende und textende Gitarristin und Keyboarderin der Band, Rylee McDonald, unmissverständlich fest: „Ich habe das letzte Jahrzehnt damit verbracht, meine Erziehung neu zu betrachten, und erkannt, dass viele der ‚Wahrheiten‘, die mir beigebracht wurden, sorgfältig geformte Überzeugungen waren. Obwohl sie in meiner eigenen Erfahrung verwurzelt sind, zeigte sich, wie wir uns immer noch nach Religion, Politik und Klasse aufteilen – ein anhaltendes ‚Wir gegen die anderen‘. 'Falling Together' ist mein Versuch, diese Reflexionen in Liedern festzuhalten.“


Daher verlief das Songwriting in zwei unterschiedliche Phasen – die erste etwa von 2018 bis 2021 und die zweite über den Sommer des Jahres 2024 und entwickelte sich im Grunde parallel zu dem ADVENT HORIZON-Vorgänger „A Cell To Call Home“, was in vielen musikalischen Momenten unüberhörbar ist. Doch der Vorgänger war kompakter, dieses Album ist epischer und härter und besitzt als Album-Opener mit „In A Lone And Dreary World“ einen echt hammerharten wie epischen Longtrack, der jegliche Grenzen sprengt und den man auf „A Cell To Call Home“ konzeptionell nicht mit unterbringen konnte.

Auf „Falling Together“ erleben wir textlich wie musikalisch ein wahres Wechselbad der Gefühle, mal voller Aggression, dann wieder beängstigend zerbrechlich. Metallische Rockmomente, angereichert mit elektronischer Energie, im fast permanenten Wechsel mit akustischen Ausflügen voller Schön- oder Traurigkeit treffen hier als gelungene Symbiose aufeinander und lassen den Hörer nicht eine Sekunde während der gut 47 Minuten los, die schon fast einer geheimen Logik folgend, mit Baby-Gebrabbel, akustischer Gitarre, himmlischem Gesang und dem sich zur Hymne erhebenden „Animals“ enden. Noch dazu enthält dieses final-tierische Stück ein traumhaftes E-Gitarren-Solo, das durchaus auch als kleine floydianische Parallele zu dem gewählten Song-Titel angesehen werden darf.
Ein Song, wie man ihn als Band wirklich nur ganz selten hin- und als Hörer präsentiert bekommt!


Doch bleiben wir kurz noch beim „Falling Together“-Start: Ein wunderschöner akustischer Gitarrenteil sticht aus dem Longtrack überraschend heraus und unterstreicht die gesamte Bandbreite dieses komplexen wie verschachtelten Prog-Longtracks, der mit den unterschiedlichsten Stimmungen spielt – und sogar vor Growls nicht zurückschreckt, die nicht etwa ihre Wirkung in übertriebener, auf dicke Deathmetal-Eier setzende, grunzende Großschnäuzigkeit suchen, sondern passgenau und extrem wirkungsvoll daherkommen, um dann von der schönen Stimme einer Rylee McDonald hinweggeblasen zu werden. Später werden dann ebenso passend auch ordentliche Screams – allesamt von Schlagzeuger Mike Lofgreen spannend dargeboten – bedient, wenn ADVENT HORIZON unter ähnlicher Prämisse ihr Fenster zum Glauben („Faith's Window“) aufstoßen.


„Gravity I“ präsentiert ruhig-akustische Gitarrenklänge als instrumentale Eröffnung eines Zweiteilers.
Der knallharte Gegenspieler dazu ist das krachende „Gravity II“, in dem lautstark die Monster im eigenen Inneren aufgeweckt (und hoffentlich vertrieben) werden („And say the monster inside / You don't own me“).


Alle abwechslungsreichen Stimmungen, die der Longtrack und die beiden sich um die Schwerkraft drehenden Stücke zwischen akustischer Entspannung und metallischer Unruhe verbreiten, begegnen uns durchgängig und unberechen- oder erwartbar bis zum berauschenden „Animals“-Finale wieder und wieder auf „Falling Together“.
Allein das schon dürfte bei jedem Prog-Freigeist wahre Glücksgefühle entfalten.


FAZIT: So wie auf „Falling Together“ sollte und müsste dauerhaft moderner wie komplexer Progressive Rock klingen, der keine Angst vor der Vergangenheit oder metallischen (bis hin zu Screams) wie ausgiebigen akustischen Momenten kennt, aber deswegen niemals davor zurückschreckt, all diese Momente auf einfallsreiche Art 'neu' zu verpacken und in einem richtig guten Konzept (nachzulesen im achtseitigen Booklet) rund um die Entfremdung der Menschen in einzelnen Gesinnungsgruppen zum Klingen zu bringen. Der amerikanische Prog-Fünfer ADVENT HORIZON hat auf seinem „Falling Together“-Album, an dem er über acht Jahre lang werkelte, ein herrlich geschlossenes und progressives wie metallisches, aber auch voller Akustik und Gefühl übersprudelndes Album geschaffen, das – auch vom großartigen Stereo-Sound und der fetten Produktion her – in der höchsten Prog-Liga beispielsweise direkt neben den Alben von PORCUPINE TREE und HAKEN mitspielen kann.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 70x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • In A Lone And Dreary World
  • Faith's Window
  • Patience
  • Past-Life Parable
  • Gravity I
  • Gravity II
  • Animals

Besetzung:

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Interviews:
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