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Peter Brummund: THE VOICE – Chris Farlowe (Review)

Artist:

Peter Brummund

Peter Brummund: THE VOICE – Chris Farlowe
Album:

THE VOICE – Chris Farlowe

Medium: Buch
Stil:

Rockmusik-Buch, Biographie

Label: Isensee Verlag Oldenburg, ISBN: 978-3-7308-2270-8, Hardcover, jede Menge in den Fließtext integrierte schwarz-weiße Abbildungen
Spieldauer: 355 Seiten
Erschienen: 15.10.2025
Website: [Link]

„Ich habe mir jahrelang gewünscht, dass jemand ein Buch über diesen grandiosen Blues-, Rhythm-and-Blues- und Soulsänger schreibt, damit ich seine Lebensgeschichte nachlesen kann. Da sich niemand fand, der dem lange bestehenden Wunsch vieler Chris-Farlowe-Fans nachkam, habe ich eine zweisprachige Biografie (Deutsch/Englisch) über THE VOICE geschrieben. Chris Farlowe wird in diesem Jahr (2025) 85 Jahre alt – also drängt die Zeit. Er ist live noch viel zu gut, um sich zur Ruhe zu setzen. Sein Wunsch ist es, bis zur letzten Minute seines Lebens weiterzusingen und sein Publikum zu erfreuen. Chris Farlowes Biografie ist eine Herzensangelegenheit, und ich hoffe, dass sie vielen Bewunderern seiner Musik gefällt.“ (Peter Brummund)

Nur selten hält man ein dermaßen hochgradig gelungenes Buch über einen der beeindruckendsten Sänger aus Vergangenheit und Gegenwart in den Händen wie „THE VOICE – Chris Farlowe“ von PETER BRUMMUND, der sich gleichermaßen als Freund, Experte und bestens informierter Autor hinter einem Musiker offenbart, der völlig zu Unrecht nicht die Aufmerksamkeit erhält, welche er seit Jahrzehnten verdient hätte...

...obwohl die mit einem echten One-Hit-Wonder – „Out Of Time“ – im Jahr 1966 begann.


Das Besondere an „The Voice“ ist definitiv: Hier schreibt mit PETER BRUMMUND ein Autor, der zugleich Fan, dann Freund und noch dazu als Literat sowie Rechercheur ein Rundum-Talent ist und im Grunde auf jeder Seite das leidenschaftliche Feuer im Umgang mit dem Sänger von ATOMIC ROOSTER, COLOSSEUM und vielen anderen Musikgrößen entfacht, das ganz schnell – vorausgesetzt man bringt ein wenig Interesse für Chris Farlowe und sein musikalisches wie persönliches Umfeld auf – sofort auf den Leser überspringt und dabei einen echten musikdokumentarischen Flächenbrand zur Folge hat.

Nun könnte man dem Buch allerdings den Vorwurf machen, es wäre mit einem zu deutlich enzyklopädischen Hang verfasst worden, da es chronologisch sehr genau vorgeht und so gut wie keine musikalische oder persönliche Lebensstation (außer die, welche Farlowe selber nicht in dem Buch haben wollte) auslässt. Diese Unterstellung ist tatsächlich nicht falsch – doch hier gibt’s ein großes ABER...
ABER!
Wer wusste oder ahnte denn je nur im Entferntesten, welche vielfältigen Kontakte und Ideen und musikalische wie persönliche Aktivitäten CHRIS FARLOWE unternahm und noch unternimmt, um als Mensch und Musiker etwas in der Welt zu hinterlassen?
Beginnend mit Farlowes Kindheit – als John Henry Deighton geboren in einer Londoner Bombennacht des Jahres 1940 – der später tatsächlich wegen seiner Leidenschaft für Kriegs-Memorabilia sogar in die rechte Ecke gestellt wurde und trotzdem unerbittlich den Weg seiner Überzeugungen ging. Als Musiker und Mensch und Leidenschaftler, egal, wie andere darüber auch denken mochten!
Für ihn galt eben immer nur sein (mitunter auch mit MAGGIE BELL) so oft gesungenes „All Or Nothing“!


Hierbei wurde Farlowe bereits im zarten Alter von 11 Jahren mit dem Musik-Virus infiziert – und zwar mit der Skiffle-Musik, der damals auch solche Musiker wie ERIC CLAPTON oder THE WHO und VAN MORRISON erlagen. Eine Reihe, in die sich der spätere Mann, der COLOSSEUM eine unverwechselbare Stimme verlieh, nahtlos einordnen ließe. Selbst wenn viele das leider bis heute nicht erkannten.


Bei genauem Lesen geht explizit diese besondere Brummund-Schreibweise, in der sich im Grunde hinter vielen Fakten immer wieder persönlich Erlebtes verbirgt, auch so nahe. Hier geht es nicht (nur) um journalistische Recherche, sondern um die Beschreibung eines Gefühls, das ein Musiker in jemandem wecken kann, der es sich in all seiner Liebe zur Musik dann zur Aufgabe macht, genau diesen Musiker, der das Leben des Autors mit seiner Musik maßgeblich beeinflusste, mit einem Buch zu ehren, weil so etwas bisher in solcher Form noch niemand tat. Hochachtung also vor dieser Idee und der Umsetzung zugleich.
Denn schon das von der Oldenburger Künstlerin Shirin Khorram entworfene Frontbild oder das als Extrabeilage dem Buch hinzugefügte Kreuzworträtsel zeigt, mit wie viel Faszination an die Aufgabe herangegangen wurde – ja fast mit welcher Obsession.


Und um es noch ein wenig persönlicher in Verbindung mit dieser Review werden zu lassen, hier eine kurze Erinnerung in eigener Sache. Leider verstarb vor kurzem mein Vater und ich war mit einem guten Bekannten, der selber schon siebzig Jahre auf dem eigenen Buckel hat, unterwegs zum Friedwald, wo wir vor der Beerdigung meines Vaters im Vorfeld den richtigen Baum für ihn sichten wollten. Eine eigenartige Fahrt stand uns also bevor und als erstes kamen wir natürlich auf Musik zu sprechen. Ein Thema, das immer vereint und selbst über so bedrückende Momente hinweghilft. Jedenfalls fragte mich mein Begleiter, ob ich denn den besten Sänger aller Zeiten kennen würde. Na ja, was hatte ich erwartet...
...Vieles, doch nicht das, was dann kam: „Für mich ist das ganz klar, CHRIS FARLOWE!“, war seine Antwort – und ich verblüffte ihn dann noch mehr, indem ich ihm erzählte, dass ich gerade an einer Kritik zu dem Buch „THE VOICE – Chris Farlowe“ schreibe – und sogar einige Aussagen von mir aus meinen COLOSSEUM- und Farlowe- oder ATOMIC ROOSTER-Reviews (Was für mich auch völlig neu war!) darin verwendet wurden, was mich übrigens ziemlich stolz macht.

Also hatten wir beide sofort einen Nenner gefunden, der CHRIS FARLOWE hieß und ähnlich schnell fanden wir dann auch den Baum im Friedwald mit der Musik des größten Sängers aller Zeiten im Kopf (und sogar einer passenden letzten Weisheit am Baum meines Vaters, die da heißt: „So wie ein Blatt vom Baume fällt, so geht ein Mensch aus dieser Welt. Die Vögel singen weiter.“), wobei mein Begleiter ganz besonders von Farlowes ATOMIC ROOSTER-Phase (spannend nachzulesen im Kapitel „Farlowe und Atomic Rooster – eine nukleare Explosion von Rock und Soul“) begeistert war. Sicher zurecht – so verrückt die Zeit auch zwischen Farlowe und VINCENT CRANE gewesen sein mochte!
Eins ist klar: Auch ein CHRIS FARLOWE singt immer und ewig weiter, so, als würden Himmel und Hölle näher beieinander liegen, als es sich Schönredner und Miesmacher gleichermaßen auch nur im Ansatz vorstellen können.


Oder nehmen wir den Streit zwischen Farlowe und DIONNE WARWICK (ab S. 329 im Buch unter dem Kapitel „Kann Chris Farlowe den Blues? - Der Streit mit Dionne Warwick“), die auf unverschämte Weise fest darauf bestand, dass kein Weißer wirklichen Soul singen kann.
Wie nennt man denn sowas? Musikrassismus!?
Farlowe hatte dazu jedenfalls eine ganz klare Meinung, die er ausgiebig und zeitaufwendig vertrat und verteidigte.

Natürlich kreuzten auch die ROLLING STONES und LED ZEPPELIN gleichermaßen seinen Weg wie er den ihren, mit durchaus unterschiedlichen Nachwirkungen. Dass dabei eben nicht immer alles ganz glatt lief, erfahren wir im Buch.

PETER BRUMMUND lässt wirklich nichts aus – außer das, worum ihn CHRIS FARLOWE ausdrücklich bat. Am Ende wirft Brummund noch einen Blick auf die Farlowe-Fans sowie die Wechselwirkung zwischen Musiker und Fan, wobei eine fast unglaubliche Geschichte, welche die ganze Größe von CHRIS FARLOWE zeigt, seine erste Begegnung mit seinen Fans im Osten nach dem Mauerfall ist. Das muss man wirklich gelesen haben.

Im Zentrum von „THE VOICE – Chris Farlowe“ steht immer wieder die Band, die dem Sänger seine Heimat und seinen Kultstatus bescherte und die ohne seine Stimme nie das geworden wäre, was sie bis zum Tod ihrer wichtigsten Bandmitglieder war: COLOSSEUM.


Wer sich also als ein großer Fan rund um COLOSSEUM versteht, der sollte dieses Buch unbedingt in seinem Bücherschrank stehen haben – aber am besten in unmittelbarer Nähe seines Plattenschranks, denn ständig überkommt einen beim Lesen das leidenschaftliche Bedürfnis, mal wieder in all die Musik hineinzuhören, der CHRIS FARLOWE seine „The Voice“ verlieh.
Ein musikalisches Erlebnis sondergleichen, ausgelöst von einem literarischen Erlebnis sondergleichen.


FAZIT: „THE VOICE – Chris Farlowe“ von PETER BRUMMUND ist ein musik-literarischer Glücksgriff der ersten Güteklasse, der den Autoren als Freund, Experte und bestens informierter Autor hinter einem Musiker offenbart und im Grunde alles offenlegt, was diesen singenden Giganten (den viele so noch gar nicht wahrgenommen haben) ausmacht – und das aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln, indem der Musiker selber, viele Kritiker, Fans und natürliche alle Erinnerungen und Gespräche von Brummund mit einfließen. Und egal, ob es nun die Farlowe-Stationen bei COLOSSEUM oder ATOMIC ROOSTER sowie die unendlich weiteren Musiker-Parallelen sind, auch die ganz besonderen persönlichen Stationen dieses während des Krieges geborenen Ausnahmesängers werden akribisch aufgezeichnet und leidenschaftlich wiedergegeben. Eine Musiker-Biographie, die gerne als Maßstab für alle weiteren Musiker-Biographien gelten darf, auch weil hier einem CHRIS FARLOWE nicht nur ein Denkmal (samt eigener Schwächen) gesetzt wird, sondern auch die aufgezeigt werden, die gerne an dessen Sockel pinkel(t)en.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 131x gelesen, veröffentlicht am )

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  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Tracklist:
  • Einleitung (Seite 10)
  • Episoden 1 – 5 (Seiten 11 - 29)
  • 108 (!!!) kurze Kapitel (Seiten 29 – 339)
  • Literaturverzeichnis (Seiten 340 – 355)
  • Zusätzliches vierseitiges Kreuzworträtsel als Faltblatt

Besetzung:

  • Gesang - Chris Farlowe
  • Sonstige - Chris Farlowe solo; The Thunderbirds; Colosseum; Atomic Rooster; Johnny Burn Blues Quartett; Otis Redding; Eric Burdon; Alexis Korner; Rolling Stones, Led Zeppelin; Maggie Bell; The Hamburger Blues Band; Van Morrison; The Norman Beaker Band; Dick Heckstall-Smith; Barbara Thompson, JCM, Jon Hiseman, The Excellos, Jon Lord (Hell Blues Band); Clem Clempson, Stoppok, Beasties (Sci-Fi-Rock-Opera)

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Interviews:
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