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BRÖSELMASCHINE | Konzert in Lichtentanne 2026 - Kulturzentrum Sankt Barbara Lichtentanne - 14.02.2026

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Manchmal gehört zu einem Konzert, das mit einer riesigen Überraschung beginnt und einer ebenso riesigen Begeisterung endet, eine Vorgeschichte, die unbedingt erzählt werden sollte – so wie die vom 14. Februar 2026, als die Krautrock-Legende (Oh ja, die darf man tatsächlich so bezeichnen!) BRÖSELMASCHINE samt ihres Gründungsmitgliedes und zugleich 'besten Gitarrenlehrers Deutschlands' PETER BURSCH, tief in den Osten, aber dort in den Westen von Sachsen, nach Lichtentanne kam. Zwar ritten sie dabei nicht auf einem indischen Kamel, aber mit brachten sie es - in seiner ganzen psychedelischen wie weltmusikalischen Schönheit!




In dem nicht nur sehr anschaulichen und von der Akustik her ausgezeichneten Kulturzentrum Sankt Barbara (Originalton Peter Bursch von der Bühne: „Was für ein großartiger Sound hier in Sankt Barbara!“) – von allen Einheimischen liebevoll 'die Barbara' genannt – sowie mit rundum unglaublich lieben Angestellten war es höchste Zeit, nicht etwa den Putz von den Wänden bröckeln, sondern die Musik dort erstmals so richtig bröseln zu lassen.


Am besten beschreibt diesen Eindruck der begnadete (Darf man eigentlich noch 'begnadeten' sagen, in Zeiten, in denen gerade solches Wort bei jedem Karnickelfurz viel zu inflationär verwendet wird – aber dieses 'begnadet' bestens nach so einem Konzert auf ihn zutrifft?) BRÖSELMASCHINE-Gitarrist Michael Dommer, der nach dem Konzert noch immer begeistert feststellt: „Ich habe diesen Club betreten und mich sofort wohlgefühlt!“

Nun gut, das ist natürlich noch nicht die Vorgeschichte, denn die beginnt bei einem anderen Live-Auftritt der BRÖSELMASCHINE, der schon fünf Jahre zurückliegt und im Rahmen der „Live At Rockpalast“-Reihe aufgenommen worden war. Nur gab es damals ein ernsthaftes Problem. Denn diese Aufnahmen waren zwar live gefilmt worden, aber ein Publikum suchte man vergeblich, denn das musste am 20. April 2021 noch immer draußen bleiben, weil Corona im Rahmen der Kultur-Veranstaltungen noch wirkte, selbst wenn bei Sportveranstaltungen dieses Publikumsverbot längst außer Kraft gesetzt worden war.



 

Jedenfalls wurde von diesem BRÖSELMASCHINE-Auftritt am 20. April 2021 in der stillgelegten Zeche in Hamm von MiG music eine großartige CD veröffentlicht, zu der unter unserer Seite eine umfangreiche – etwas provokante – Review von mir verfasst worden war, die mit dem Satz: „Was muss das doch für eine verdammte Scheiße sein“, begann. Genau dieser Satz wurde auch im Rahmen der Ankündigung für das Konzert in der Kulturkirche „Sankt Barbara“ verwendet, das noch dazu Detlef Bergmann von den Scheffelbergstudios komplett filmen wollte. So war auch BRÖSELMASCHINE auf die Review aufmerksam geworden und äußerte die Bitte, mich bei dem Konzert in Lichtentanne kennenzulernen. Natürlich kann man eine so 'legendäre' Bitte nicht ausschlagen, sodass es neben dieser Konzertkritik gleich noch zu einem umfangreichen Interview mit PETER BURSCH kam. 

Dieser Konzertbericht ist allerdings nicht unser erster. Bereits aus Anlass des 50-jährigen BRÖSELMASCHINE-Bestehens besuchte mein Stellvertreter Stefan Haarmann im Oktober 2019 die „Elegy-Release-Tour“ im Duisburger Grammatikoff – so gesehen also ein echtes Heimspiel für Duisburger Weltmusik-Krautrocker – und verlieh seiner Begeisterung dazu Ausdruck, indem er feststellte: „Selten gibt es Bands, die es auch nach einem halben Jahrhundert schaffen, das Niveau vergangener Jahrzehnte nicht nur halten, sondern sogar noch steigern zu können […] Peter Bursch und seine Mitstreiter liefern einen denkwürdigen Auftritt, der die Qualität des aktuellen Albums 'Elegy' auch live demonstriert und die Ausnahmestellung als lebende Legenden unterstreicht, denen es gelungen ist, den Geist der Flower-Power-Generation ins Hier und Jetzt hinüber zu retten, ohne antiquiert zu wirken“.


Genau den gleichen Eindruck vermittelten BRÖSELMASCHINE auch auf der Bühne der heiligen Barbara, sodass man sie ebenfalls musikalisch heilig sprechen dürfte. Schon dass mit „Elegy“, „Bliss“, „Oriental Mind“, „Hello Hello“, „Indian Camel“, „I'd Rather Go Blind“ (von ETTA JAMES), „Pajaro“, „Fall Into The Sky“, „Sole Ruler“, „I Was Angry“, „Children Of The Revolution“ (von T.REX) und „Black Is Your Color“ eine Vielzahl von Stücken des 2019er-Konzerts und zugleich alle aus dem besagten Rockpalast-Konzert zur Aufführung kamen, sorgte für Begeisterung.

Hier einzelne Songs hervorzuheben, bereitet Schwierigkeiten, denn bei so viel Abwechslung wäre es fast unfair, die nicht genannten Stücke unterm Radar laufen zu lassen. Trotzdem sollten unbedingt die zwei den BRÖSELMASCHINE-LPs ihren Namen verleihenden Stücke erwähnt werden: Die 13 Minuten lange psychedelische Reise durch Zeit und Raum, welche uns „Indian Camel“ vor der kurzen Konzert-Pause beschert und uns ganz tief in die Zeit der Spätsechziger entführt, um die wahre Größe echter psychedelischer Musik zu entfalten und die mit einem wunderschönen Gitarren-Motiv aufwartende „Elegy“, welche sofort ins Ohr geht und dort einfach nicht wieder raus will.

Gerade die breit angelegten Strukturen zwischen weltmusikalischer (Sitar-)Schönheit, psychedelischer Verspieltheit, rockiger Dynamik und harmonischer Hingabe – allesamt von leidenschaftlichen Musikern und einer charismatischen Frontfrau vorgetragen, nehmen das Publikum von Anfang an gefangen. Noch dazu verblüfft nicht nur ein gigantisches Schlagzeug, das opulent fast die halbe Bühne einzunehmen scheint, und dann von MANNI VON BOHR auf eine Art und Weise gespielt wird, dass es einem schwindelig wird. Die absolute Steigerung dieses Drumstick-Zauberers entlädt sich allerdings erst im zweiten Konzertteil beim riesig-eruptiven Schlagzeug-Solo auf „I Was Angry“.


Wie wütend muss man eigentlich sein, um hinter seiner Schießbude ein so wildes Solo abzufeuern? Unfassbar!

Würde Maestro von Bohr sich während des Drummings noch sein T-Shirt vom Leib reißen, man hätte den Eindruck, dass hier ein CARL PALMER eines seiner bei ELP immer heiß geliebten Soli von sich geben würde. Auch bekommen während des 18-minutigen Stücks Keyboarder Thomas Plötzer und Bassist Carlos Palmen ausgiebige Solo-Momente eingeräumt. Freiräume, die Gitarrist Michael Dommers in dem Falle nicht bedarf, denn er hat während des gesamten Konzerts immer wieder die Möglichkeit, das Publikum von seinen vielfältigen Spieltechniken zu überzeugen, die neben herrlicher Eigenständigkeit mitunter gar Anklänge an David Gilmour und Mark Knopfler erkennen lassen und so beim Publikum genau das gleiche Wohlgefühl entflammt, wie er es beim betreten des Kulturzentrums Sankt Barbara in Lichtentanne empfand.


Am Ende des Konzerts aber stand die große Überraschung und zugleich kleine Sensation, über die hier unbedingt noch ein paar Gedanken verloren werden müssen. Es dreht sich natürlich um „Gedanken“, das erste Stück der ersten LP von BRÖSELMASCHINE, das auf Wunsch des Publikums das letzte des Konzerts werden sollte – und nicht vorher geprobt worden war, aber einen dermaßen fesselte und das unglaubliche Improvisationstalent der Band widerspiegelte. Hochexplosiv wie ein sic steigernder Bolero, bei dem sich BRÖSELMASCHINE in einen endgültigen Rausch spielten – so gesehen wurde aus diesem frühen Stück des Jahres 1971 anno 2026 ein echter „Gedanken“-Bolero.

Vielen Dank dafür!




Besondere Aufmerksamkeit mit ihrer ganzen Ausstrahlung und Stimme zieht Sängerin Stella Tonon auf sich, der man sich absolut nicht entziehen kann und zu der Peter Bursch im Interview mit uns bemerkte: „Stella trägt sehr viel Südländisches in sich. Ihre Eltern kommen aus Italien und Portugal. Sie bringt da ein ganz anderes Gefühl mit ein, was uns rückblickend sehr beeinflusst hat. Es macht richtig Spaß, mit ihr zu spielen. Ich kenne keine andere Sängerin, die etwas in der Art rüberbringen kann. Sie ist auf der Bühne ein Traum!!“ Und das Sankt-Barbara-Publikum durfte diesen BRÖSELMASCHINE-Traum am 14. Februar 2026 mitträumen.

 

Da fällt das FAZIT wirklich nicht schwer: Ein traumhaftes Konzert, bei dem die Musik sowie die rundum sympathische Band völlig ausreichen, um danach richtig berauscht zu sein!

 

 

PS: Ein besonders herzliches Dankeschön gilt UWE MÖCKEL, der uns für diese Konzert-Review alle Bilder zur Verfügung stellte und DETLEF BERGMANN, der mit den Scheffelbergstudios das gesamte hier besprochene Konzert aufzeichnete und veröffentlichte. So kann sich jeder Leser seine ganz eigenen Gedanken zu dem Konzert machen. In diesem Sinne: Unbedingt anschauen und genießen!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info)

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Live-Fotos

BRÖSELMASCHINE | Konzert in Lichtentanne 2026 BRÖSELMASCHINE | Konzert in Lichtentanne 2026 BRÖSELMASCHINE | Konzert in Lichtentanne 2026
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