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Million Moths: Spun (Review)

Artist:

Million Moths

Million Moths: Spun
Album:

Spun

Medium: CD/Download
Stil:

Elektronika, Indie, Darkwave, Dreampop

Label: Million Moths
Spieldauer: 26:54
Erschienen: 24.07.2026
Website: [Link]

Wie viele Motten braucht es, eine Glühbirne reinzudrehen?
Mindestens eine Million – muss sich die aus Portland, Oregon stammenden Produzentin, Tontechnikerin, Vokalistin und Soundfricklerin ERICA VON TRAPP wohl gedacht haben, als sie ihr Solo-Projekt MILLION MOTHS nannte. Dieser eigenartige Name rührt daher, dass Von Trapp sich von „festgelegten Formaten und Formen eingeschränkter Kreativität“ absetzen und auf der musikalischen Ebene etwas Einzigartiges zum Ausdruck bringen wollte, das zugleich internalisiert angelegt war wie auch vielfältige kreative Möglichkeiten darstellen sollte.
Das Bild der Motte, die sich verpuppt und als Falter wiedergeboren wird, schien der Künstlerin dabei geeignet, ihr Anliegen besonders bildlich zu spiegeln. Als sie in Joshua Tree dann einen Schwarm von einer Million Motten beobachtete, die ein Feld von gelben Blumen bedeckte, war der Projektname geboren. Mit erwartbaren Folgen: In dem Video zu ihrem Song „Inner Piece“ (einem Stück über das fehlende Teil zum inneren Friedens) wird sie dann selbst zu einer Motte.


Wer ist aber ERICA VON TRAPP?
Bevor die Künstlerin nach Portland, Oregon, zog, um in ihrem Studio Sapphire Jaguar eigenen künstlerischen Visionen nachzugehen, hatte sie ihre musikalische Laufbahn als Songwriterin für ein Synth-Pop-Projekt namens JANE MACHINE begonnen – vor allem um sich mit der Technik des Produzierens vertraut zu machen. Dabei fand sie heraus, was sie als Solo-Künstlerin später eigentlich nicht beabsichtigt hatte (nämlich Synthie-Pop).

Nach einer musikalischen Reise, die sie nach Paris, Los Angeles und Joshua Tree führte, arbeitet sie heute parallel zu ihrer musikalischen Tätigkeit als Schauspielerin und Food-Stylistin – Fähigkeiten, die ihr auch bei der Gestaltung ihrer Videos zupass kamen – beispielsweise auch in jenem zu der Lead-Single „Ride Or Die“. Die mystischen Bildwelten und die Outfits der Protagonisten konzipierte und stylte sie völlig eigenständig.


Das Projekt „Spun“ entwickelte Von Trapp über einen längeren Zeitraum, der seine Ursprünge bereits in den Tagen der Pandemie hatte, als sie 2020 nach Portland gezogen war. Die rätselhaften, mystischen Texte, mittels derer sie sich Gedanken zu Themen wie Wut, Begehren, Rache, Liebeskummer, Tod und Verlust – aber auch Verletzlichkeit, Vertrauen und Liebe – machte, entstanden in der Isolation der Lockdowns über einen assoziativen Prozess, während dem sie ihr Unterbewusstsein anzapfte und – ähnlich wie die frühen Beats – Bilder und Szenen zu mystischen Collagen zusammensetzte. Klar, dass sowas nicht in kohärenten Storyteller-Songs enden konnte.

Songs im klassischen Sinne hatte ERICA VON TRAPP sowieso nie im Sinn, als sie diese mit organischen und elektronischen Elementen angereicherten Klanginstallationen um ihre ätherischen Noir-Vocals erweiterte. Da die Metamorphose – als Prozess der Wandlung und Veränderung – sich angesichts des gewählten Motten-Motivs als kreatives Thema geradezu aufdrängte, ging es eher um ein klangliches Shapeshifting als darum, griffige Pop-Songs zu fabrizieren. Denn der Synthie-Pop, mit dem für sie alles begann, langweilt ERICA VON TRAPP heutzutage nur noch.

Bei all dem bedeutet das allerdings nicht, dass es sich bei „Spun“ um abstrakte Klangkunst handelt, denn ihr gelingt es, in Songs wie „Water Sweet“, „Can Barely Hear You“, „You Knew Exactly What You Were Doing“ oder „Glass Trees“ immer wieder versöhnliche, melodische Momente der Zugänglichkeit ins Sounddesign einzufügen. Das abschließende „Both Hands“ könnte dabei sogar ohne weiteres als melancholisches Dreampop-Kleinkunstwerk mit Ohrwurm-Charakter durchgehen (auch wenn es eine Ausnahme bleibt).


Obwohl ERICA VON TRAPP inzwischen als gefragte Kollaborateurin für gleichgesinnte experimentelle Fringe-Musiker aller möglichen Genres tätig ist, gestaltete und produzierte sie die Songs des Albums „Spun“ völlig alleine. Das ermöglichte ihr, ihren Klangkosmos ohne Rücksicht auf Konventionen und Notwendigkeiten in Bereiche auszudehnen, die sich kaum kategorisieren lassen. Hierbei verwendete sie echte und gesampelte organische Instrumente (Gitarre, Bass, Drums) ebenso wie experimentelle Noise-Elemente, programmierte Beats, Loops, Elektronika aller Art, Synthesizer sowie psychedelische Sound-Effekte und verwob das Ganze zu sich ständig verändernden Klangflächen (besagter Metamorphose entsprechend), auf denen sie dann ihre teils hypnotischen, teils sich ins Unterbewusstsein schleichenden, hauchzarten Nightmare-Vocals aufsetzt.

Im besten Falle kommen dabei Stücke wie die Singles „Ride Of Die“ oder „Can Barely Hear You“ heraus, die Dystopia und Katharsis in nachvollziehbarer Weise zusammenführen.
Auf der anderen Seite stehen verstörende Hörspiele wie „Chimes“ oder das Instrumental „You Me Me You“, welche die Traumata zum Vorschein bringen, die dieses Projekt zunächst befeuerten. Nur im Zusammenspiel aller Aspekte macht das Ganze letzten Endes als Gesamtkunstwerk Sinn. Für ERICA VON TRAPP selbst hat dieses Projekt jedenfalls eine heilende Bedeutung.


FAZIT: Irgendwo an der Schnittstelle zwischen abstrakter Klangkunst und songbasierter Katharsis präsentiert ERICA VON TRAPP mit ihrem Solo-Projekt MILLION MOTHS und dem Debüt-Album „Spun“ ein überzeugendes Statement in Sachen künstlerischer Selbstverwirklichung. Der Gebrauchswert als Musikalbum richtet sich zum Großteil danach, inwieweit der Hörer bereit ist, sich auf den eigenwilligen, aber stets überraschenden und interessanten Flow des ganzen Projektes einzulassen.

Ullrich Maurer (Info) (Review 103x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Ride Or Die
  • Water Sweet
  • Inner Piece
  • Can Barely Hear You
  • Guard On
  • You Knew Exactly What You Were Doing
  • Chimes
  • You Me Me You
  • Glass Trees
  • Both Hands

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

  • Spun (2026) - 11/15 Punkten
Interviews:
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