Partner
Services
Statistiken
Wir
Bronze Hall: Embers Of The Dawn (Review)
| Artist: | Bronze Hall |
|
| Album: | Embers Of The Dawn |
|
| Medium: | CD/LP/MC/Download | |
| Stil: | Epic Black Metal |
|
| Label: | Eigenproduktion | |
| Spieldauer: | 42:09 | |
| Erschienen: | 05.02.2026 | |
| Website: | [Link] |
Ob der Tatsache, dass es sich bei dem hier gegenständlichen Musikalbum um einen klandestinen Underground-Beitrag handelt, dürften nicht viele davon Notiz genommen haben. Das macht dieses Release ein Stück weit sympathisch, weil es an eine Zeit in den Achtzigern oder Neunzigern erinnert, als extremer Metal noch keine Kommerzveranstaltung war. Die ästhetische Verbindung aus Text, Bild und Klang, wie sie dem Finnen mit dem Pseudonym Yöpyöveli vorschwebt, der unter dem Banner BRONZE HALL alleinverantwortlich musiziert, geht zeitlich sogar noch weiter zurück – zu archaischen Gesellschaften längst vergangener Tage, wo Schilde und Schädel mit Schwertern behauen wurden, stattliche Herrschaften in Rauch aufgingen und man das Blut der Feinde auf der Rüstung am Lagerfeuer trocknete. Indes, in der Geschichte des Heavy Metal sind diese Motive zu wohlfeilen Klischees verkommen, was „Embers Of The Dawn“ ein wenig tadelig erscheinen lässt.
Ebenso mag dem einen oder anderen Szenegänger bitter schmecken, dass Yöpyöveli als Black-Metal-Solo-Künstler agiert und daher in einer Reihe mit den eher fragwürdigen Ein-Mann-Projekten seiner Zunft stehen könnte. Dieser Wermutstropfen verdunstet allerdings rasch. Denn einerseits trägt die Konzentration der musikalischen Umsetzung auf eine Person zur Authentizität des Materials bei. Yöpyöveli tut es nämlich seinem zentralen Ideengeber, Thomas Börje Forsberg, besser bekannt unter dem Alias Quorthon, gleich. Von den Anfängen als mehrköpfige Band abgesehen, war Forsbergs Spielwiese BATHORY schließlich immer ein Solo-Projekt – und ein einflussreiches obendrein.
Andererseits ist dieser archaisch anmutende, zuweilen recht ruppig tönende Entwurf schwarzgefärbter, rauer Heavy-Metal-Mucke erstaunlich abwechslungsreich und musikalisch. Wessen Herz im positiv gemeinten Sinne bereits nach den ersten Klängen des Langspielers, den zweistimmigen Akustikgitarren oder den schleppenden Blackened-Heavy-Riffs im Forsberg-Fahrwasser, Feuer fängt, darf gerne weiterhören. So schön wie ‚Embers Of Remembrance‘ ist, auf eine Art, auch der Rest.
‚Call Of Steel‘ etwa stellt unter Beweis, dass Yöpyöveli nicht nur schleppend, sondern auch schmissig kann; dass zuweilen etwas ungehobelt lärmende Gitarren-Soli kein singuläres Ereignis sind und den emotionalen Gehalt der Platte durchaus anheben. Der kurzweilige Dreieinhalbminüter ‚Night’s Black Wings‘ klingt dem gegenüber bewusst wenig versöhnlich. Wer den Lyrics lauscht, mag den Eindruck gewinnen, dass dies dazu dient, die martialischen Themen musikalisch zu untermauern. ‚Ravaging Flames‘ mit seiner markanten Melodieführung und seinen nostalgisch machenden Synthesizern hält wie jeder andere Song knurrige Vocals parat, hintergründig, dumpf und verhallt produziert, als vertonten sie die wehklagenden Worte eines Wanderers, verloren in tiefen Schluchten. In puncto Gitarrenarbeit drängt sich spätestens an dieser Stelle die Annahme auf, die Musik könnte ebenso Leuten gefallen, die „Orchid“ für das beste OPETH-Album halten oder den seligen Frühwerken von KATATONIA hinterhertrauern.
Andere Referenzen kommen außerdem in den Sinn. Eine englischsprachige Rezension führt das langlebige Düsseldorfer Solo-Projekt FALKENBACH an, vermutlich in erster Linie wegen der Pagan-Themen, die sicherlich auch BRONZE HALL nicht fremd sind. Auf der instrumentalen Ebene muss man die Parallele indessen nicht immer ziehen, zumal mittelalterlich-folkloristisch tönende Keyboards vom finnischen Meister nur punktuell eingebracht werden. Dass es zudem sporadische Überschneidungen zu den Nordamerikanern von AGALLOCH gibt, ist nicht ganz von der Hand zu weisen (siehe ‚In Northern Twilight‘); viel logischer scheint jedoch, dass beide Bands ähnliche Wurzeln haben und auf dieselbe Black-Metal-Historie verweisen.
All die bisher genannten Charakteristika der meist im längeren Format vorliegenden Kompositionen versprühen einen gewissen DIY- bzw. Home-Recording-Charme. Dazu trägt überdies der Dungeon-Synth-mäßige Part zu Beginn der Rausschmeißer-Nummer ‚Galloping In The Sunlight’s Embrace‘ bei. Als wiederkehrendes Element wird dieser überdies genutzt, um nach halber Spielzeit ein erstklassiges Melodie-Finale, inklusive thematisch korrespondierendem Akustik-Outro, einzuleiten und so dem Album einen würdevollen Abgang zu ermöglichen.
FAZIT: Wer sucht, der findet. Manchmal fördert ein Blick in die Niederungen nationaler Musikszenen eine wahre Goldgrube zutage – oder, man verzeihe die plumpe Bemerkung, eine Bronzemine. Das soll natürlich die musikalische Qualität eines „Embers Of The Dawn“ im Wert nicht schmälern. Überzeugend komponiert, stimmungsvoll arrangiert und emotional berührend ist die Sache allemal. Selbst die etwas klischeebeladene Aufmachung sowie die vielbemühten Trademarks können den Unterhaltungswert von BRONZE HALL daher nicht trüben. Quorthons Erbe wird in der finnischen Epic-Black-Metal-Szene offenbar gebührend verwaltet.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Embers Of Remembrance (8:54)
- Call Of Steel (6:51)
- Night's Black Wings (3:34)
- Ravaging Flames (6:14)
- In Northern Twilight (7:16)
- Galloping In The Sunlight's Embrace (9:20)
- Embers Of The Dawn (2026) - 12/15 Punkten
-
keine Interviews
Kontakt
