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JeGong: Gomi Kuzu Can (Review)

Artist:

JeGong

JeGong: Gomi Kuzu Can
Album:

Gomi Kuzu Can

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Post-, Kraut-, Psychedelic- und Experimental-Rock

Label: Pelagic Records
Spieldauer: 47:08
Erschienen: 27.02.2026
Website: [Link]

„Wir wollten einen Sound der 70er-Jahre als Grundlage für unsere Aufnahmen schaffen – eine Klangästhetik, die durch ihre warme Bandsättigung eine offensichtliche Stimmung erzeugt. Es ist wie eine Art Erinnerungsbox, in der man Erinnerungen speichern kann, zum Beispiel aus der Kindheit, als man stundenlang allein vor dem Fernseher saß und Radio hörte, oft beides gleichzeitig.“ (JeGong)

Sie wollen uns wohl hinters Licht führen, diese JEGONG mit ihrem aktuellen Album „Gomi Kuzu Can“, das offensichtlich asiatische Erinnerungen weckt. Doch Pustekuchen! JEGONG kommen aus dem schönen Schweizer Kanton Bern und lieben es, als multiinstrumentales Duo musikalische Berge zu besteigen oder am besten gleich zu versetzen. Echte Post-Rock-Berge, die allerdings durchaus auch Vergleiche zu den asiatischen Ausnahme-Post-Rockern wie MONO zulassen.


Doch wir brauchen, um JEGONG ins instrumentale Musik-Herz zu schließen, gar nicht so weite Ausflüge zu unternehmen. Denn mit ihrer Kombination aus Post-, Kraut-, Psychedelic- und Experimental-Rock tauchen JEGONG tief in die kräutrig duftende und die Psyche stimulierende Zeit der Siebzigerjahre ein, in denen solche Bands wie NEU! oder CAN und CLUSTER sowie frühe TANGERINE DREAM, aber später auch MOGWAI oder APHEX TWIN ihre ganz eigene, oft hypnotische wie spirituell stimulierende Musik-Geschichte schrieben.


JEGONG sind zudem auf der vokalen Ebene ziemlich wagemutig und setzen mit „Whatever Happened To Gene Bisl“ auf Gesang. Doch egal, was mit dem guten Gene auch geschieht, dieser Song ist ein schwer psychedelischer Brocken – tatsächlich beeindruckend und finster gesungen – der einen an den guten SYD BARRETT erinnert, als der noch auf dem frühen floydianischen Tripp war. Nicht umsonst scheint dieser Song im Mittelpunkt des Albums zu stehen, um die breite musikalische Palette zu demonstrieren, die JEGONG auf „Gomi Kuzu Can“ von Stück zu Stück präsentieren. Hier werden nicht nur Erwartungen geweckt, sondern auch immer wieder über den Haufen geworfen und durch neue Erwartungen gefüttert. Die kreativen Ideen und das musikalische Können hinter den gut 48 Minuten von „Gomi Kuzu Can“ sind jedenfalls echt beeindruckend.


So dürfen fette Bässe oder Noise-Gitarren im Verlaufe des Albums ebensowenig fehlen wie flirrende Synthie-Exkursionen, effektvolle Verzerrungen („Contortion“) oder sich dräuend wiederholende, intensiv steigernde Rhythmen, die sich im Industrial-Klang ergießen („Parallel Tracks“).
Auch ist die akustische Erkenntnis, was sich hinter einer „Müll Schrott Dose“ verbirgt, erhellend, während man gleichermaßen mit JEGONG in das 70er-Jahre-Fernsehprogramm eintauchen darf.


Oh ja, das deutschsprachige TV-Zeitalter bekommt gleich im Doppelpack seine Anerkennung, wenn wir von einer Fernsehansagerin auf „Chalk“ begrüßt oder am Ende des Albums von einem Verkehrsfunk-Sprecher belehrt werden.
Also gilt: „Augen auf im Straßenverkehr und bei der Wahl guter Post-, Kraut-, Psychedelic- und Experimental-Rock-Platten!“
Mit JEGONGGomi Kuzu Can“ haben wir definitiv eine gefunden!


FAZIT: JEGONG beschreiben sich unter ihrer bandcamp-Seite selber als „eine experimentelle Instrumental-Rockband, die dystopische Welten mit Elementen aus dem Krautrock der frühen 70er-Jahre, Ambient, kosmischer Musik und nebulösem Post-Rock erkundet“. Natürlich trifft das Schweizer Duo den postrockigen Nagel auf seinen kräutrig rockenden Kopf und erzeugt hierbei so einige metallische wie elektronische Geräusche, die auf „Gomi Kuzu Can“ von ihrer Atmosphäre her durchgängig zu beeindrucken wissen und an Abwechslungsreichtum kaum zu übertreffen sind. Wer noch heute gerne in seiner Krautrock-Plattensammlung und den experimentellen Psyche-Exkursen der Siebzigerjahre wühlt, wird mit diesem Album bestens bedient.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 98x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Golden Hairs Goes Back To Japan
  • Outright Wolf Medicines
  • Contortion
  • Downed
  • Chalk
  • Whatever Happened To Gene Bisl
  • Sister
  • Parallel Tracks
  • Patterns
  • Müll Schrott Dose
  • Obaachan Bingo

Besetzung:

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