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Isabelle Bodenseh: Dignity (Review)

Artist:

Isabelle Bodenseh

Isabelle Bodenseh: Dignity
Album:

Dignity

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Modern Jazz, Fusion

Label: GLM/edel Kultur
Spieldauer: 40:43
Erschienen: 06.03.2026
Website: [Link]

„Zwar hat die ursprünglich aus der Alten Musik stammende Abfolge an Suite-Sätzen in den Jahrhunderten verschiedene Modifikationen durchlaufen, doch findet sich die Komponistin mit der im Jazz seltener angewandten Form in guter Gesellschaft: von Duke Ellington in den Vierzigerjahren, Oskar Peterson in den Sechzigern bis hin zu Keith Jarrett in den Siebzigern und im neuen Jahrtausend Charlie Watts.“ (Interessante Einordnung von „Dignity“ seitens des Promo-Schreibens)

Es wird ihr ganz bestimmt nicht leichtgefallen sein, solch eine bewegende Suite für die Menschenwürde zu schreiben, wenn sie genau mit dieser Problematik Tag für Tag in der eigenen Familie voll inniger Liebe lebt. Denn dieses Plädoyer für die Menschenwürde der deutsch-französischen Jazzflötistin, die gemeinsam mit ihrer Band ein bewegendes Jazz-Album erschuf, das sich geschickt zwischen dem Swing der Vierzigerjahre über die 60er-/70er-Jahre-Verspieltheit (mit viel Orgelklang) bis hin in die modernen Jazz-Harmonien der Gegenwart bewegt, ist die Herzensangelegenheit von ISABELLE BODENSEH. Hierbei besticht sie oft mit einem sehr warmen und voluminösen Flötenspiel, das so zärtlich klingt, als würde sie den Hörer damit streicheln wollen. Oder besser: dessen Menschenwürde und Achtung herausstreicheln, um sie anderen angedeihen zu lassen.

Der Hintergrund von „Dignity“ ist einzigartig. Denn ISABELLE BODENSEH ist Mutter, eine Mutter, die sich ganz besonderen Herausforderungen stellt, stellen muss. Ihre Tochter Juliette ist schwerstbehindert. Und offensichtlich ist „Dignity“ mit der fünfteiligen, sich über beide LP-Seiten erstreckenden „Suite For Dignity“ und dem namentlichen für ihre Tochter endenden „Epilog“ ein Album für ihre Tochter, das Bodenseh selber als ein „ehrliches Album“ bezeichnet, welches mit dem schönsten zeitgenössischen Jazz voller emotionalem Verve gefüllt ist. Einem „Verve“, mit dem auch der Teil 5 der Suite endet.


So wird „Verve“ das leidenschaftliche wie dynamische Finale des fünfteiligen Epos, das von der 23-jährigen Reise mit ihrer Tochter Juliette inspiriert ist und in der sie gleichermaßen alle Momente der Zerbrechlichkeit, der Widerstandsfähigkeit, der Liebe und der damit einhergehenden Würde und Verbundenheit auf musikalische Weise ergründet, sodass sich der fragile Kreis aus zärtlichem wie durchaus kämpferischen und immer optimistischem Jazz schließt. Hoffnungsvoller zeitgenössischer wie lyrischer und harmoniebedürftiger Jazz eben, bei dem Keyboard, Gitarre und Schlagzeug im Verbund mit dem Flötenspiel zur Einheit werden.

Von träumerisch, traurig, beschwingt bis flott („Fly High“) durchlebt der Hörer die Stimmungen, welche ISABELLE BODENSEH bewusst aufbaut, um diese am Ende mit „Juliette – Epilog“ als Text-Klang-Collage zu beenden, die einen besonders beim Hören der originalen 'Mutterworte' zutiefst bewegt.


Hierzu passt zur zusätzlichen gefühlvollen Vertiefung des Eindrucks das achtseitige LP-Booklet, in dem eine ganze Seite mit den Bildern von Juliette gefüllt ist und Textpassagen aus der Collage nachzulesen sind, wie „Wir fühlen uns wie eine Welt“ oder „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und „Das wird dann eben ein anderes Leben“.
Nach solchem Ende lehnt man sich als unvoreingenommener Hörer nachdenklich zurück, denkt nicht nur über die bezaubernde Jazz-Musik, sondern auch die gehörten Sätze nach – und empfindet in beiderlei Beziehung hohe Bewunderung für die Kraft und Leidenschaft von ISABELLE BODENSEH, die zudem unter ihrem fb-Profil mit herzlichen Worten betont, wie wichtig es ihr war, genau dieses Album auf einer LP in dieser aufwendigen Gestaltung erscheinen zu lassen.


FAZIT: „Dignity“ ist eine epische Jazz-Suite für die Menschenwürde der deutsch-französischen Jazzflötistin ISABELLE BODENSEH. Im Mittelpunkt dieses träumerisch, traurig, beschwingt bis flott klingenden, zeitgenössischen Jazz-Albums, bei dem sie von ihrer Band (Keyboarder, Gitarrist und Schlagzeuger) begleitet wird, steht ihre schwerstbehinderte Tochter Juliette, der sie nunmehr ein emotionales wie würdiges musikalisches und unbedingt hörenswertes Denkmal setzte. Prädikat: Zu 100% besonders wertvoll!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 108x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (19:42):
  • Suite For Dignity
  • * Part I – Prolog (2:36)
  • ** Part II – Sospeso (5:23)
  • *** Part III – Tempesta (4:02)
  • **** Part IV – Kantilene (7:41)
  • Seite B (21:01):
  • Suite For Dignity
  • ***** Part V – Verve (6:18)
  • Masha (3:00)
  • Fly High (4:45)
  • Juliette – Epilog (6:58)

Besetzung:

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