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Tessa Rose Jackson: The Lighthouse (Review)

Artist:

Tessa Rose Jackson

Tessa Rose Jackson: The Lighthouse
Album:

The Lighthouse

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Cosmic American Music, Folk-Pop, Laurel Canyon

Label: Tiny Tiger Records
Spieldauer: 52:43
Erschienen: 23.01.2026
Website: [Link]

The Lighthouse“ ist zwar das erste aktuelle Album, dass TESSA ROSE JACKSON unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht – es ist jedoch keineswegs das erste musikalische Lebenszeichen der in den Niederlanden geborenen, in England aufgewachsenen und nun wieder in den Niederlanden arbeitenden Songwriterin.

Als Teenagerin veröffentlichte sie 2012 bereits ein recht erfolgreiches Pop-Album unter ihrem eigenen Namen, fühlte sich dann allerdings von den Erwartungshaltungen überwältigt, mit denen sie sich in Bezug auf ein zweites Album konfrontiert sah – denn sie wollte lieber ihr eigenes Ding durchziehen, als eine Kopie des ersten Albums zu machen.

Daher veröffentlichte sie zwischen 2018 und 2023 eine Reihe von EPs und die beiden LPs „Shapeshifter“ und „Owls“, die sie zusammen mit ihren Musikern unter dem ambivalenten Projektnamen SOMEONE veröffentlichte – wobei der wenig aussagekräftige Moniker für die Hörer eine Einladung darstellte, sich selbst eine vom Namen gelöste Meinung über das kreative Schaffen zu bilden.


Mit diesem Projekt verfolgte TESSA ROSE JACKSON einen eklektischen, eher experimentellen, produktionstechnischen Ansatz, der ihren Indie-Pop – oft mit elektronischen Elementen – in immer wieder neue Soundwelten führte.

Auf einer gemeinsamen Club-Tour, bei der kein eigenes Soundsystem zur Verfügung stand, erarbeitete sie mit der Band eine vom Produktionsvolumen gelöste, auf die Möglichkeiten der unterschiedlichen Venues abgestimmte, reduzierte Präsentationsästhetik, die ihr dann so gut gefiel, dass sie sich dazu entschloss, ihr nächstes Album - das nun vorliegende „The Lighthouse“ - auf eine ganz andere Art anzugehen. Das Ergebnis ist nun eine klassische Singer/Songwriter-Scheibe, auf der TESSA ROSE JACKSON mit ihren Musikern – ausgehend von einer akustischen Basis – ein luftig-transparentes Sound-Design entwickelte und dabei auf der kompositorischen Seite das klassische Strophe/Refrain-Format typischer Pop-Songs strukturell auflöste und auf elektronische Elemente verzichtete. Stattdessen gibt es jetzt jazzige Leichtigkeit, ungewöhnliche harmonische Ansätze, folkige Elemente und atmosphärische Streicher- und auch Bläser-Arrangements.


Wie TESSA ROSE JACKSON erklärt, sind alle ihre Songs auf gewisse Weise persönlich und autobiographisch – auch wenn sie ihre Lyrics poetisch verbrämt und codiert. Das ist auch auf dem neuen Album der Fall – etwa wenn sie in Songs wie „The Bricks That Make The Building“ Themen wie Vergänglichkeit, Verlust, und den Lauf der Zeiten mit der Spiritualität und dem familiären Erbe verquickt. TESSA ROSE JACKSON wurde von zwei lesbischen Müttern erzogen, von denen eine früh verstarb und auf die sie sich auch in dem Song „Wild Geese“ bezieht. Den Song „Dawn“ widmete sie hingegen ihre Nichte.


In anderen Songs wie „Fear Bangs The Drum“ beschreibt sie, wie sie mit ihren Ängsten, Sorgen und Nöten in Bezug auf ihre Liebsten umgeht. Da sie auch als Soundtrack-Komponistin tätig ist, arbeitet TESSA ROSE JACKSON auch gerne auf einer visuellen Ebene und nutzte das Bild eines Seemannes, der im Nebel unterwegs ist und in der Ferne das Licht eines Leuchtturms entdeckt, als Sinnbild für die eigene Situation im Leben und machte den Song „The Lighthouse“ dann zum Titel des Albums.
„By Morning“ hingegen ist ein geradliniger Folk-Song, den sie als Entschuldigung für ihren Partner, den Keyboarder DARIUS TIMMER, schrieb, als sie nach einem Streit schmollend auseinandergegangen waren.


Musikalisch ist „The Lighthouse“ von einem ganz anderen Kaliber als alles, was TESSA ROSE JACKSON zuvor – auch als SOMEONE – gemacht hat. Auch wenn die Songwriterin hier eng mit ihren Musikern zusammenarbeitet und es durchaus auch band-orientierte Songs wie „Dawn“, „Built To Collide“ oder „Wild Geese“ auf dem Album gibt, sind es vor allen Dingen die auf die Jetztzeit bezogenen Laurel-Canyon-Vibes, derer sich die Künstlerin – jenseits etwaiger JONI MITCHELL-Klischees - bedient, die ihre Spuren hinterlassen haben. Die Pop-Elemente der Vergangenheit tauchen nur noch ansatzweise auf; etwa im Refrain des Tracks „When Your Time Comes“, der sich aufgrund der aufgelösten Songstruktur nicht aufdrängt, sondern eine lange, eher meditative Passage einrahmt, die sich zuvor vom tastenden Suchen zu einem mit Streichern, Chören und Bläsern angereicherten, erhebenden Finale verdichtet.

Anstatt – wie bislang – die Songs produktionstechnisch kontrollieren zu wollen, entschied sich TESSA ROSE JACKSON dazu, dieses Mal (wie sie sagt) „die Arrangements atmen zu lassen“ und sich vom Flow der Musik anstatt eines bestimmten Formates oder Stiles leiten zu lassen. Das führte dann oft zu einem meditativen Ansatz wie zum Beispiel bei dem Titeltrack, der das Album eröffnet, aber ist auch bei der mit Ambient-Klangflächen unterlegten Reflexion „Gently Now“ oder dem abschließenden „Prize Fighter“ auszumachen. Das, was hier passiert, haben auch Künstlerinnen wie TAMARA LINDEMAN (WEATHER STATION), ALICE PHOEBE LOU oder SOPHIE JAMIESON für sich entdeckt und verinnerlicht. Will meinen: Wer mit einer solchen Klangästhetik etwas anfangen kann, der wird in der neuen musikalischen Welt der TESSA ROSE JACKSON eine neue Heimat finden.

Eine Künstlerin, deren Einfluss die Musikerin in Bezug auf den Vortrag und die aufgelösten Songstrukturen freimütig einräumt, ist LAURA MARLING, deren letztes Album „Patterns In Repeat“ sie – neben ihren Musikern, die (wie gesagt) eng in die Produktionsarbeit einbezogen wurden – als Inspirationsquelle für ihr eigenes Album anführt.


FAZIT: Mit dem Album „The Lighthouse“ hat die Songwriterin TESSA ROSE JACKSON sozusagen zu sich selbst gefunden. Lebte sie unter dem Projektnamen SOMEONE vor allen Dingen ihre klang- und produktionstechnischen Visionen für eine eklektische Indie-Pop-Ästhetik aus, so präsentiert sie sich mit „The Lighthouse“ als sensible, einfühlsame Songwriterin, die heutzutage in der musikalischen Transzendenz und der persönlichen Erzählung ihr Heil sucht (und findet).

Ullrich Maurer (Info) (Review 84x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • The Lighthouse
  • The Man Who Wasn’t There
  • The Bricks That Make The Building
  • Dawn
  • Built To Collide
  • Gently Now
  • When Your Time Comes
  • Fear Bangs The Drum
  • By Morning
  • Grace Notes
  • Wild Geese
  • Prize Fighter

Besetzung:

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